Die Fanhilfe Dortmund zieht nach diversen, von uns am Samstag begleiteten Polizeimaßnahmen, ein gemischtes Fazit des 155. Revierderbys. Insbesondere eine Polizeimaßnahme, bei der es mehrere Verletzte zu beklagen gibt, muss rechtlich – auch durch die zuständige Staatsanwaltschaft – aufgearbeitet werden.

Nach einem aus unserer Sicht ruhigen Derbytag bot bis zur Rückkehr am Dortmunder Hauptbahnhof allein die ausgedehnte und von der Fanhilfe begleitete Kontrolle von einigen der am Gästeparkplatz ankommenden Busse Anlass für Fragen nach einem eventuell übermäßigen Polizeieinsatz. Die Kontrollen verliefen, trotz der langen Dauer von über drei Stunden, sowohl seitens der Fans als auch seitens der eingesetzten Beamten ruhig. Alle kontrollierten Personen erreichten rechtzeitig das Stadion.

Im Nachgang der Begegnung kam es dann allerdings bei Ankunft des Sonderzuges zu einem weiteren, folgenschweren Polizeieinsatz in der Bahnhofsvorhalle des Dortmunder Hauptbahnhofes. Nach Sichtung der uns bisher erreichten Augenzeugenberichte, übermittelten Videoaufnahmen und der Eindrücke vor Ort stellen sich die Ereignisse wie folgt dar: Nach wechselseitigen Provokationen in der Bahnhofshalle zwischen einem einzelnen Anhänger des FC Schalke und aus dem Sonderzug aussteigenden Borussen, kam es zur Ingewahrsamnahme zweier Personen durch eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit der Bundespolizei. Entgegen der Stellungnahmen der Bundespolizei waren zu diesem Zeitpunkt keine gegen die Polizei gerichteten Handlungen erkennbar. Im Gegenteil: Die Situation schien nach den Ingewahrsamnahmen geklärt und beruhigt.

Aus bislang ungeklärten Gründen kam es trotz dieser ruhigen Lage zu einer plötzlichen Räumung der Bahnhofshalle durch die Einheiten der Bundespolizei. Dies geschah unangekündigt und wahllos unter massivem Einsatz von Pfefferspray, Schlagstöcken und körperlicher Gewalt. Im Zuge der Räumung wurden sämtliche in der Bahnhofshalle befindlichen Personen, darunter sowohl Mitarbeiter des Fanprojektes als auch aktive Mitglieder der Fanhilfe und unsere vor Ort anwesenden Anwälte, durch die Beamten attackiert. Während er telefonierte, wurde ein aktives Mitglied der Fanhilfe hierbei durch einen unvermittelten Schlag in das Gesicht schwer verletzt. Er erlitt eine mehrfache Gesichtsfraktur und befindet sich nach operativem Eingriff in stationärer Behandlung. Darüber hinaus wurden uns von weiteren Gewaltanwendungen der Polizei berichtet, die sich u.a. auch gegen bereits am Boden liegende Personen richteten.

Wir erwarten, dass die am Montag von der Bundespolizei angekündigte, umfassende Aufarbeitung durch die zuständige Staatsanwaltschaft mit der gebotenen Akribie geführt wird. Wir werden in enger Zusammenarbeit mit den Verletzten und unseren Anwälten indes unseren Beitrag dazu leisten.

Die Fanhilfe bittet weiterhin alle Betroffenen darum, Gedächtnisprotokolle anzufertigen und etwaige Fotos oder Videos des Polizeieinsatzes an info@fanhilfe-dortmund.de zu senden. Auf Grundlage der Eindrücke vor Ort und der hier eingehenden Einsendungen prüfen wir aktuell, ob und in welcher Art und Weise eine rechtliche Überprüfung der polizeilichen Maßnahmen sinnvoll und möglich ist.

Allen durch den Polizeieinsatz Verletzten wünschen wir eine möglichst schnelle Genesung!

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